“Langwelle, das gibts noch?”
Diese oder ähnliche Antworten erhält man hierzulande, werden von UKW und Digitalradio verwöhnte Hörer mit den immer noch bestehenden Wurzeln des drahtlosen Hörfunks konfrontiert. Kein Wunder, gibt es doch mittlerweile abgesehen von Welt- und Reiseempfängern kaum noch Radiogeräte, die für den Empfang des Langwellenrundfunks ausgelegt sind. Da ist es erstaunlich, dass sich auf der Langwelle noch immer diverse nationale Hörfunkprogramme tummeln. In Deutschland ist das Deutschlandradio mit seinen zwei Programmen auf insgesamt drei Frequenzen vertreten und versorgt auch am Tag nahezu das gesamte Bundesgebiet. Auf der Mittelwelle, deren Empfang auch heute noch mit zahlreichen Radiogeräten möglich ist, besteht hingegen schon längst in vielen Bundesländern gar keine Empfangsmöglichkeit mehr für nationalen Hörfunk. Auch im Rest Europas, Nordafrikas und Teilen Asiens gibt es noch immer Langwellenrundfunk. Vereinzelt wird sogar noch der sogenannte Drahtfunk übertragen, wobei Langwellenfrequenzen zur Auskopplung der über Telefonnetze übertragenen Signale genutzt werden (z. B. in Italien, siehe Filodiffusione).
Wie ausgestorben ist die Langwelle also wirklich? Auf meiner Jagd nach Stationsmitschnitten bin ich dieser Frage mal nachgegangen und war erstaunt, dass man auf fast jeder Langwellenfrequenz auch heute noch mindestens eine Hörfunkstation empfangen kann. Natürlich nicht zu jeder Tageszeit und manche Stationen gehören auch eher zu den Exoten, dennoch ergibt sich eine für dieses begrenzte Rundfunkband große Anzahl empfangbarer Stationen. Das Ergebnis gibt es nachfolgend hörbar als zwanzigminütigen Zusammenschnitt meiner Archivaufnahmen.
Abspielen: Archivbandscan der Langwelle
Hier noch die Liste der empfangenen Sender. Wer es ausführlicher mag, kann für weitere Informationen z. B. den Euro-African Medium Wave Guide heranziehen.
Standort: nahe Wittstock/Dosse, Brandenburg
Empfänger: Sangean ATS 909W ohne zusätzliche Hilfsmittel
- 153 kHz – Deutschlandfunk (Sender Donebach, Deutschland)
- 153 kHz – Antena Satelor (Sender Brasov Bod, Rumänien)
- 162 kHz – France Inter (Sender Allouis, Frankreich)
- 171 kHz – Radio Rossii (Sender Bolshakovo, Russland/Kaleningrad)
- 171 kHz – Golos Rossii (vermutlich Kavkaz Radio (Sender Tbilisskaya, Russland))
- 171 kHz – Radio Méditerranée Int’l (Sender Nador, Marokko)
- 177 kHz – Deutschlandradio Kultur (Sender Zehlendorf, Deutschland)
- 183 kHz – Europe 1 (Sender Felsberg (Saarlouis), Deutschland)
- 189 kHz – Rikisútvarpid Rás 2 (Sender Gufuskálar, Island)
- 198 kHz – BBC Radio 4 (England, verschiedene Standorte, hier vermutlich Droitwich)
- 207 kHz – Deutschlandfunk (Sender Aholming, Deutschland)
- 216 kHz – RMC Info (Sender Roumoules, Frankreich)
- 225 kHz – Polskie Radio 1 (Sender Solec Kujawski, Polen)
- 234 kHz – RTL (Sender Beidweiler, Luxemburg)
- 243 kHz – DR Kalundborg (Sender Kalundborg, Dänemark)
- 252 kHz – RTE Radio 1 (Sender Clarkstown, Irland)
- 252 kHz – Alger Chaîne 1&3/Radio Alger International (Sender Tipaza, Algerien)
- 261 kHz – Radio Rossii (Sender Taldom, Russland)
- 261 kHz – Radio Horizont (Sender Vakarel, Bulgarien)
- 270 kHz – Ceský Rozhlas 1 (Sender Topolná, Tschechien)
- 279 kHz – Belaruskaye Radio 1 (Sender Sasnovy, Weißrussland)
Die einzelnen Stationsmitschnitte gibt es demnächst auch noch mal im Radioarchiv.
